The Antechamber of Response
Die Neigung des Herzens
Mein Leben ist ein Floß auf See, ich bin sein Kapitän,
kein fremdes Ufer schreibt mir vor, wie ich hier soll bestehn.
Vier Tonnen tragen, Ecke für Ecke, die Planken im Verband –
und jede ist ein Vorratsschacht, den ich in Händen fand.
Raum. Kurs. Atem. Stand.
Ich halt das Deck – mit fester Hand.
Kein Sog zieht mich. Kein Lärm befiehlt.
Ich bleibe der Steuermann meines Floß’.
Die erste heißt Gesundheit: Leib und Geist und inn’re Sicht –
wenn Schlaf und Atem morsch geworden, trägt sie plötzlich nicht.
Die zweite heißt Gemeinschaft: Freund, Familie, die mich kennt –
wenn Leinen reißen, weil man schweigt, wird’s still im Gegenwind.
Die dritte heißt Gesellschaft: Arbeit, Rolle, Anerkannt –
sie gibt dem Tag ein Deck aus Sinn, doch kippt auch wie ein Sand.
Die vierte heißt Ziele: Mut, Planung, ruhig kontrolliert –
wenn sie nur starr nach vorne zeigt, wird manövriert – verirrt.
Raum. Kurs. Atem. Stand.
Ich halt das Deck – mit fester Hand.
Kein Sog zieht mich. Kein Lärm befiehlt.
Ich bleibe der Steuermann meines Floß’.
Zu lang vertraut man dem, was hielt, weil’s gestern sicher war,
und merkt zu spät: Die Tonne fault ganz leise, Jahr für Jahr.
Dann kommt ein Sturm, der Streit heißt, grell, und plötzlich ohne Plan –
und schiefe Planken machen’s schwer, dass man noch sprechen kann.
Dann geb ich mir die Minute – kein Rückzug, eher Stand:
Ich spür den Herzschlag unter mir wie Trommeln in der Wand.
Ich deute Gischt nach Wut und Kälte, prüf das Wasser: wie?
Und merk: Ich bin noch hier an Bord – ich geh nicht unter, nie.
Und in der Pause rufen Stimmen – manche echt, ganz nah:
ein Kind, ein Blick, ein dritter Satz, der zwischen uns geschah.
Und manche sind nur Echos: Eltern, alte Liebeszeit,
Glaubenssätze wie Möwenkreisch’n – laut, doch nicht Gegenwart, nicht
Wahrheit.
Raum. Kurs. Atem. Stand.
Ich halt das Deck – mit fester Hand.
Kein Sog zieht mich. Kein Lärm befiehlt.
Ich bleibe der Steuermann meines Floß’.
Jetzt seh ich: Streit ist nicht nur Kampf – er öffnet auch ein Fenster,
zeigt mir die Schieflage im Deck, den Riss, den heimlich-besten.
Ich frag: Welche Tonne hängt zu tief? Was braucht jetzt Reparatur?
Und sprech als Ich, nicht gegen Dich – so findet Sprache Spur.
Dann richt ich auf. Ich zieh die Leinen. Ich setz mir neu ein Ziel:
Nicht Recht um jeden Preis – nein, Klarheit ist das Steuerrad im Spiel.
Und wenn die Wellen wieder kommen, weiß ich, was ich kann:
Ich les den Sturm, ich wart mein Floß – und komm als ganzer Mensch voran.
Raum. Kurs. Atem. Stand.
Ich halt das Deck – mit fester Hand.
Kein Sog zieht mich. Kein Lärm befiehlt.
Ich bleibe der Steuermann meines Floß’.
Ich halte Raum – ich halte Kurs!
Ich geh voran – ich richt es aus.
Ich seh das Ufer noch nicht klar –
doch ich kann fahren – stolz und klar.
Ich bleibe der Steuermann meines Floß’.
Jerome Terence Fisher – kleiner Freitag 23.04.2026